Kommunaler Wohnbau im internationalen Vergleich

Aus Wien ist der Gemeindebau nicht wegzudenken. Doch wie sieht der kommunale Wohnbau in Berlin, Hamburg und Zürich aus? Ein Blick über die Stadtgrenze.

Erschienen am 26.08.2015 auf NZZ.at und war Teil einer Recherche-Kooperation mit dem Team von DOSSIER. Mehr dazu hier. Foto: ANBerlin/flickr.

Europas Städte wachsen. Im Jahr 2050 werden laut einer UN-Studie zwei von drei Menschen weltweit in Städten leben. Der Wohnraum wird knapper, die Preise steigen.

In Berlin stiegen die Mieten zwischen 2009 und 2014 um 30,8 Prozent. Auch in Wien lag die Preissteigerung bei knapp über 20 Prozent, in Hamburg sind es rund 11 Prozent. Am wenigsten stiegen die Mieten in Zürich. Wobei man in Zürich selbst für eine Einzimmerwohnung tief in die Tasche greift: Durchschnittlich zahlt man für eine Einzimmerwohnung in Zürich 872 Franken (805 Euro) Miete im Monat.

Durch die steigenden Mietpreise wird der kommunale Wohnbau für einkommensschwache Städter wichtiger.

NZZ.at fragte in den Städten Berlin, Zürich und Hamburg nach – in allen drei Städten spielt kommunaler Wohnbau eine weitaus geringere Rolle als in Wien.

Wie viele Sozialbauwohnungen gibt es?

220.000 Gemeindebauwohnungen gibt es in Wien. Hamburg ist fast gleich groß wie Wien (1,7 Millionen Einwohner), besitzt aber nur 33.731 Sozialwohnungen.

Die Stadt Berlin besitzt bei dreimal so vielen Einwohnern nur 41.000 Sozialmietwohnungen.

In Zürich spricht man übrigens nicht von Sozialwohnungen, sondern von gemeinnützigem Wohnbau. 6.524 Wohnungen befinden sich in Wohnsiedlungen und 2.569 Wohnungen in Einzel-Liegenschaften. Das macht insgesamt rund 9.000 Wohnungen.

Wie viele Menschen leben in Sozialwohnungen?

Diese Zahl ist in Deutschland schwer zu erheben. Der Status einer Sozialmietwohnung hängt in Hamburg wie in Berlin allein von der Art ihrer Wohnungsbauförderung ab, nicht von der Eigentümerschaft. Das heißt: Geförderter privater Wohnbau wird mitgezählt, wie es vonseiten der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt heißt. In Hamburg konnte die genaue Zahl nicht erhoben werden.

Insgesamt gibt es 125.000 Sozialmietwohnungen in der deutschen Hauptstadt. 316.000 Berlinerinnen und Berliner leben in einer solchen. Das sind bezogen auf rund 3,5 Millionen Einwohner nur rund neun Prozent.

In Zürich sind es gar noch weniger: Rund fünf Prozent der 405.000 Zürcher leben in einer städtischen Sozialwohnung: 19.862.

In Wien hingegen sind es knapp 30 Prozent – also 500.000 Menschen, die im Gemeindebau leben.

Wie hoch sind die Betriebskosten?

Auch hier eines vorweg: Betriebskosten sind nicht gleich Betriebskosten. In Wien und Zürich sind Heizung und Warmwasser in den Betriebskosten enthalten, in Berlin und Hamburg nicht. Dort spricht man von den „kalten Betriebskosten“.
In Hamburg liegen laut Hamburgischer Investitions- und Förderbank die kalten Betriebskosten zwischen 1,60 und 1,80 Euro. Am höchsten sind sie in der Schweiz. Dort liegen sie bei umgerechnet 14,69 Euro.

Einkommensvoraussetzungen für Sozialwohnungen

In Berlin und Hamburg liegt die Einkommensgrenze für einen Einpersonenhaushalt bei 16.800 Euro netto im Jahr. Das sind nicht mehr als 1.400 Euro monatlich, die ein Antragsteller verdienen darf.

In Wien ist man da kulanter: Man darf mehr als zweimal so viel im Jahr verdienen wie in Hamburg und Berlin: 43.160 Euro.

In allen drei Städten muss der Bewohner beziehungsweise die Bewohnerin nur einmal einen Einkommensnachweis vorzeigen.

Bei unseren Schweizer Nachbarn ist das anders. Dort werden die Einkommens- und Belegungsverhältnisse alle zwei Jahre kontrolliert. Das Einkommen darf bei Einpersonenhaushalten 49.400 Franken (rund 45.860 Euro) nicht übersteigen. Nach Ablauf von vier Jahren seit dem Bezug der Wohnung erhöht sich die Grenze auf 58.200 Franken (53.771 Euro).

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